Der Kultursommer 2021 im Salzkammergut erinnert immer mehr an einen Mann-zu-Mann-Kampf. Ja, das klingt sehr martialisch und entspricht mir eigentlich in keiner Weise. Aber offenbar hat mein bundesheerlicher Neffe sprachlich auf mich abgefärbt. Wer hätte je gedacht, dass solches Vokabular in der Kulturszene des Salzkammergutes Anwendung findet. Ich nicht.

Und doch: Heuer ist alles anders. Letzten Sommer herrschte Euphorie, Freude und Glück über kulturelle Veranstaltungen. Aufbruchsstimmung und Dankbarkeit für Kultur mit echten Menschen, engagierten Künstler/innen und mutigen Veranstaltern. Doch heuer, 2021? Wir alle haben voller Glück und Freude programmiert. Aber: Das Publikum lässt die Sommerfestivals des Salzkammerguts im Stich.

Warum? Einhelliger Tenor: Das Publikum ist ermüdet. Von den Maßnahmen, der Situation per se, der Unsicherheit, wie der Herbst sich gestalten wird, ob die Kinder in die Schule gehen dürfen, können, wollen. Die Erlahmung der Gesellschaft. Netflix liefert alles frei Haus, die Trägheit hat überhandgenommen und offenbar eine globale depressive Gemütsverstimmung.

Das will ich nicht glauben und nicht akzeptieren. Kultur mit echten Menschen, live und direkt kann durch nichts ersetzt werden. Ich muss gestehen, dass ich kein sehr rührseliger Mensch bin. Doch bei der Generalprobe der Elektra bei den Salzburger Festspielen sind sogar mir bei der Erkennungsszene zwischen Elektra und Orest die Tränen gekommen. Diese unmittelbaren Emotionen sind durch nichts zu ersetzen.

Wir wollen zuversichtlich in die Zukunft schauen und uns von Schwarzmalerei nicht noch mehr verrückt machen lassen. Mit Respekt und Eigenverantwortung schaffen wir Rahmenbedingungen für schöne, erbauliche Veranstaltungen mit größter Sicherheit.

Doch: Liebes Publikum! Bitte kommt! Besucht all die großartigen Konzerte, Lesungen, Vorstellungen etc. Wenn Ihr uns jetzt nicht unterstützt, wird es im Salzkammergut still werden. Denn ohne Publikum gehen die finanziellen Ressourcen der vielen kleinen feinen Festivals zur Neige. Die Förderungen und Sponsorgelder geben uns gerade einmal die Möglichkeit, mit viel Begeisterung und Enthusiasmus ambitionierte, vielfältige und durchdachte Programme auf die Beine zu stellen. Doch gehen die Besucherzahlen massiv zurück, verlieren auch Sponsoren das Interesse – der Erklärungsbedarf für die Existenz der Festivals steigt.

Die Künstler und Künstlerinnen haben die Monate des Stillstands genützt, um neue innovative Projekte zu entwickeln – dies war das Lebenselixier, das sie am kreativen Leben erhalten hat. Nun wollen sie diese wunderbaren Programme auch präsentieren und freuen sich über Auftritte.  Sie brauchen Zuversicht und Planungssicherheit, auch für den Herbst und die kommende Saison.

Liebes Publikum! Denkt an den Sommer 2022! Wir alle, die den Kultursommer im Salzkammergut maßgeblich gestalten, möchten auch nächstes Jahr für Sie ein spannendes Programm anbieten – voller Freude und Fröhlichkeit. Aber, sehr prosaisch: Ohne Geld keine Musi. Im vergangenen Sommer haben uns die diversen Hilfsfonds aufgefangen und so eine ausgeglichene Bilanz ermöglicht. Heuer ist dies anders und wir alle müssen uns aus eigener Kraft finanziell über Wasser halten. Alle helfen zusammen, rücken zusammen, machen Abstriche – und doch muss jeder und jede leben.

Wir bieten Ihnen ein buntes und anregendes Sommerprogramm in der größtmöglichen Vielfalt! Nutzen Sie es! Für sich! Für Ihre Erbauung! Zu Ihrer Freude! Und zur Freude der vielen Künstler und Künstlerinnen, deren Lebensinhalt durch Konzerte und Veranstaltungen gesichert wird. Wir wollen das Salzkammergut in der langen Tradition der Sommerfrische als lebendigen Kulturort erhalten – gemeinsam mit Ihnen, geliebtes Publikum!