Begonnen hat alles mit Fritz Grünbaum.

Die Ausstellung über sein Leben und Werk steht am Anfang einer Reihe von biographischen und sich thematisch um Unterhaltungskultur und jüdisches Leben bis 1938 bewegende Darstellungen:


Das Kabarett „Die Hölle“ in Wien
Theater an der Wien, Wechselausstellungen 2010 bis 2016

Im Herbst 1906 eröffneten die beiden Volksschauspieler und Theaterunternehmer Sigmund und Leopold Natzler das Theater und Cabaret „Die Hölle“ im Souterrain des Theaters an der Wien. „Die Hölle“ war eines der legendärsten und langlebigsten Unterhaltungsetablissements im deutschsprachigen Raum. Sie war dem Geist des französischen Cabarets verpflichtet und eine Talenteschmiede für Unterhaltungskünstler aller Art. Ralph Benatzky, Fritz Grünbaum, Karl Farkas, Hans Moser, Hugo Wiener, Mela Mars und Stella Kadmon sind nur einige Stars, deren Karriere in der „Hölle“ ihren Anfang nahm. Josef Urban und Heinrich Lefler entwarfen zwei prachtvolle Jugendstilräume: den Theatersaal, und den sogenannten Höllensaal, der rot in rot gehalten, mit Boxen und züngelnden Goldflammen verziert und mit hohen Spiegeln ausgestattet war. Ein Restaurantbetrieb sorgte für das leibliche Wohl. „Champagnisiert“ wurde zu den Darbietungen der Künstler und des Hausorchesters bis in die frühen Morgenstunden. Franz Lehár, Edmund Eysler und der junge Robert Stolz schrieben einaktige Varietéoperetten, Béla Laszky und Ralph Benatzky frivole Lieder, die von den umjubelten Diseusen Mela Mars und Josma Selim vorgetragen wurden. Fritz Grünbaum las aus eigenen Dichtungen, und Grete Wiesenthal brachte ihre eindrucksvollen Tänze. Mehr als 20 Jahre lang war „Die Hölle“ eines der führenden Cabarets im deutschsprachigen Raum. Die kenntnisreichen und detailgenauen Informationen der Autoren zeichnen ein Bild dieses legendären Unterhaltungsetablissements.


Die schaffende Österreicherin.
90 Jahre Wiener Frauenkunst




Schon der Name dieser neugegründeten Vereinigung bildender Künstlerinnen und Kunsthandwerkerinnen wirkt wie ein Programm. Frauenkunst! Man wird unwillkürlich fragen, ob denn hier ein prinzipieller Unterschied zu machen sei.

Die Österreicherin 1928

Frauen war die Ausbildung an Kunsthochschulen lange Jahre verwehrt, sie wichen in die 1869 gegründete Wiener Kunstgewerbeschule aus, die profunde Kenntnisse vermittelte. Frauen wurde außerdem die Aufnahme in die großen Künstlerorganisationen wie Künstlerhaus, Secession oder Hagenbund verwehrt, als Konsequenz gründete Olga Brand-Krieghammer, Schülerin Carl Molls, 1910 die Vereinigung bildender Künstlerinnen Österreichs, von welcher sich wiederum, vergleichbar mit der Secession, 1926 die Vereinigung Wiener Frauenkunst abspaltete. Ihre erste Präsidentin Fanny Harflinger legte im Jänner 1926 in der Zeitschrift Die moderne Frau die Intention dar:

Wir wollen modern sein, in erster Linie in dem Sinne, daß wir darunter enge Verbundenheit mit dem Leben verstehen. Die Kunst unserer Tage steht dem Leben und seinen sichtbaren Äußerungen noch immer recht fremd gegenüber; sie durchdringt es nicht, wie es die Kunst früherer Zeiten tat.

Die Vereinigung organisierte Ausstellungen, um die Werke ihrer Mitglieder einem breiteren Publikum bekannt zu machen.
Exponate aus Privatsammlungen gewähren Einblick in eine vergessene künstlerische Welt.

Ausstellung im Museum ZInkenbacher Malerkolonie, St. Gilgen
25. Juni bis 2. Oktober 2016

Presseberichte:
Almuth Spiegler in Die Presse,14. August 2016
ATV II: Kultur-Highlights, 14. August 2016
ORF II: Kulturmontag, 1. August 2016

Flachgauer Nachrichten, 30. Juni 2016
Gudrun Weinzierl in den Salzburger Nachrichten, 27. Juni 2016



"Swing tanzen verboten".
Operette und Unterhaltungsmusik nach 1933

Eine Ausstellung von EntarteOpera in Kooperation mit dem
Brucknerfest Linz in der Tabakfabrik Linz
2014

http://www.entarteopera.com/ausstellung14.html

Artikel auf der Website des Operetta Research Center

Das Buch zur Ausstellung ist im Armin Berg Verlag erschienen.

Das Jahr 1933 bedeutet einen gewaltigen Einschnitt auch für die Unterhaltungskultur. Diese ist im Besonderen von moderner Tanzmusik, Einflüssen aus Amerika, frivol-humoristischen Texten und jüdischen Komponisten, Librettisten und Interpreten geprägt. All dies ist den Nationalsozialisten ein Dorn im Auge: Rückbesinnung auf „heimische“ Melodien, auf „arische“ Künstler und „brave“ Texte stehen im krassen Gegensatz zu einer der erfolgreichsten Phasen der mitteleuropäischen Unterhaltungsbranche, die weltoffen und modern Die jüdischen Künstler werden vertrieben, verhaftet und ermordet – und mit ihnen eine ganze unwiederbringliche Kultur.Die Ausstellung ist dreigeteilt: „Arisierte“ Unterhaltungsmusik stellt die Unterhaltungskultur nach 1933 und die Propaganda in Deutschland in den Mittelpunkt, „Vertriebene“ Unterhaltungsmusik den Brain Drain in die USA und andere Länder, die Zuflucht bieten, und „Verfolgte“ Unterhaltungsmusik all die Künstler, die ermordet werden und selbst noch in den Konzentrationslagern Unterhaltungsmusik aufführen und komponieren.In Deutschland müssen Ersatzwerke geschaffen werden, um die große Nachfrage nach Operette und Unterhaltungsmusik weiter zu befriedigen. So wird aus Emmerich Kálmáns Gräfin Mariza Nico Dostals Ungarische Hochzeit, Paul Abrahams Ball im Savoy wandelt sich zu Fred Raymonds Maske in Blau und die Kulissen zu Erik Charells Weißem Rössl müssen eine Weiterverwendung finden. Fred Raymond schreibt daher Saison in Salzburg.Komponisten, Librettisten und Interpreten finden Zuflucht in den USA, doch nur wenigen gelingt es, dort künstlerisch zu reüssieren und den in Europa begonnen Erfolg fortzusetzen. In England entsteht die einzige Operette, die die Nazi-Verfolgung thematisiert: Ivor Novellos The dancing years aus dem Jahr 1939.In einigen Konzentrationslagern werden Operetten aufgeführt: Von den Häftlingen für andere Häftlinge oder aber für die Wachmannschaften. Außerdem hat jedes Lager seine „Lagerhymne“, so schaffen Hermann Leopoldi und Fritz Löhner-Beda das berühmte Buchenwald-Lied.Nach 1945 gibt es in Europa so gut wie keinen Bruch: Kontinuität steht im Mittelpunkt, das Bestreben, die vertriebene Kultur wieder zu beleben, ist enden wollend – die Biederkeit der 1950er Jahre setzt die Nazi-Ideologie auf ihre Weise fort: Für Jazz und moderne Tanzmusik besteht nur wenig Interesse. Erst seit einigen Jahren erwacht wieder das Interesse für die Modernität der Zwischenkriegszeit – eine Chance, ein ganzes Genre zu rehabilitieren und ihren Schöpfern die Geschichte zurückzugeben.


Bilder aus dem Koffer. Die Sammlung Fritz Grossmann und die Wiederentdeckung von Theodor Fried.

Museum Zinkenbacher Malerkolonie St. Gilgen 2013

Die Ausstellung widmet sich dem Kunsthistoriker Fritz Grossmann, der, mit vielen Zinkenbacher Künstlern befreundet, auf seine Flucht vor den Nationalsozialisten viele Blätter mitnahm. Eine einzigartige Sammlung, die sich heute im Besitz von Fritz Grossmanns Tochter in Großbritannien befindet und erstmals ausgestellt wird. Sie zeigt die Vielfalt der Malerei in den 1920er und 1930er Jahren und umfasst Bilder von Lisel Salzer, die Fritz Grossmann porträtierte, Franz von Zülow, Georg Merkel, Gerhardt Frankl, Josef Dobrowsky und vor allem Theodor Fried, dem Grossmann durch viele Jahrzehnte freundschaftlich verbunden war, wie auch Widmungen an ihn belegen.


Welt der Operette. Glamour, Stars und Showbusiness

Theatermuseum Wien, Deutsches Theatermuseum München 2011/12

Heute strömen die Besucher ins Kino, früher stürmten sie exklusive Operettentheater und warteten auf Novitäten und Skandale ihrer Stars. Showbusiness war angesagt, Glamour und Glitter, Groteske und viel Sex bestimmten die Inszenierungen, die niemals verstaubt, sondern in den 1860er Jahren beißend satirisch, slapstickhaft überdreht und frech waren – und es bis 1933 bzw. 1938 im deutschen Sprachraum blieben. Ihre Akteure wurden zu Superstars und gesuchten Werbeträgern für Produkte von Zigaretten bis Luxusautos. Operette „Made in Vienna“ machte auch am Broadway Furore und war ein einzigartiger Exportartikel österreichischer Kultur, genauso wie synkopierte US-Operetten in Wien begeistert aufgenommen wurden. Von den skandalösen Anfängen im Demimonde-Milieu von Paris 1850 über die große Wiener Zeit der Suppé-, Strauß- und Millöcker-Operette bis zu den Roaring Twenties an der Donau und in Berlin und der gravierenden Zäsur durch die Nationalsozialisten stellt dieser Text-Bildband erstmals die Welt der deutschsprachigen Operette im internationalen Kontext dar. Folgen Sie den Autoren auf eine Reise vom Wien des Johann Strauß bis in die Welt von Franz Lehárs „Lustiger Witwe“ und Ralph Benatzkys jazzigem Evergreen „Im weißen Rössl“. Stars wie Alexander Girardi, Richard Tauber, Zarah Leander, Peter Alexander, Harald Serafin und Max Raabe begleiten Sie.

 

Jüdisches Kabarett in Wien

Letztes Erfreuliches Operntheater Wien, 2009

Der jüdische Geist, geschärft durch die über viele Jahrhunderte stattfindende Auseinandersetzung mit dem geschriebenen Wort und die damit einhergehende ständige Gefahr der Verfolgung, hat in Wien ein intellektuelles Umfeld geschaffen, in dem Juden wie Nichtjuden das Kabarett in einer hemmungslosen Schaffenskraft zu einer einmaligen Blüte bringen konnten. Die Ausstellung zeigt die Vielfalt des Themas: Conferenciers, Biographien, aber auch Geschichten einzelner Etablissements und Exilkabarett stehen im Mittelpunkt.


Jüdische Sommerfrische und Musiker im Salzkammergut

Im Rahmen der Oberösterreichischen Landesausstellung,
Schloss Orth/Traunsee 2008


Richard Tauber

Volksoper Wien und Kurhaus Bad Ischl 2008

 

Grüß mich Gott. Fritz Grünbaum

Theatermuseum Wien, Mährisches Landesmuseum Brünn, 2005

Seit Beginn der 1980er Jahre rückte Fritz Grünbaum durch Werkausgaben wieder ins Bewusstsein einer breiteren Öffentlichkeit, ja, aufgrund der Streitigkeiten um die ungeklärten Besitzverhältnisse der in den USA beschlagnahmten Schiele-Bilder aus seinem Nachlass sogar in den Schlagzeilen.
Erstmals wurde das Leben und Schaffen eines der bedeutendsten österreichischen Kabarettisten der Zwischenkriegszeit, des Operetten-, Revue- und Drehbuchautors, des Bühnen- und Filmschauspielers Fritz Grünbaum vorgestellt, dessen wichtigste Lebensstationen Brünn, Wien und Berlin waren und der 1941 in Dachau ermordet wurde.